Kurt C. Thommen
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BAZ vom 15.01.2002

Viele Männer drücken sich um die Hausarbeit


Die Männer leisten in der Schweiz durchschnittlich nur halb so viel Haus- und Familienarbeit wie die Frauen. Vor allem Mütter mit kleinen Kindern sind deshalb gezwungen, ihre Erwerbsarbeit stark zu reduzieren. Das Büro für Gleichstellung lanciert nun eine Kampagne.


Kurt C.Thommen
In der Hausarbeit sind die Männer immer noch untervertreten. Manchmal f ehlt es auch an den nötigen Kenntnissen: Bügelkurs im
Warenhaus manor BASEL .


Bern. Fairplay beim Aufteilen der Berufs- und Familienarbeit: Unter diesem Motto startet das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann eine Kampagne, die darauf hinwirken soll, dass sich die Männer vermehrt an der Haus- und Familienarbeit beteiligen. Patricia Schulz, Direktorin des Gleichstellungsbüros, zeigte an einer Medienkonferenz in Bern auf, dass der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Schlüsselfunktion zukommt bei der Gleichstellung der Geschlechter im Erwerbsleben.
Im Auftrag des Gleichstellungsbüros haben Silvia Strub und Tobias Bauer vom Berner Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien untersucht, wie die bezahlte und die unbezahlte Arbeit zwischen den Geschlechtern verteilt ist. Dabei stützten sie sich vor allem auf Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung des vorletzten Jahres (Sake 2000): Das Bundesamt für Statistik befragte Männer und Frauen in rund 17 000 Haushalten, in welchem Umfang sie am Vortag Haus- und Familienarbeit geleistet hätten. Das Ergebnis: Frauen wenden dafür im Durchschnitt wöchentlich 34 Stunden auf, Männer bloss 18 Stunden. Dabei ergeben sich je nach Haushaltstyp markante Unterschiede. Am wenigsten ungleich verteilt ist die Hausarbeit bei Singles und unverheirateten Paaren ohne Kinder. Am meisten Haus- und Familienarbeit übernehmen die Frauen in Ehepartnerschaften mit zwei und mehr Kindern. Die Männer begnügen sich in solchen Partnerschaften damit, zwei Fünftel der Arbeit zu leisten, welche die Frauen leisten. Etwas weniger ungleich verteilt ist der Zeitaufwand für die Betreuung der Kinder. Deutlich am stärksten engagieren sich hier die Väter in unverheirateten Partnerschaften. Mit den Kindern spielen und Aufgaben machen fällt den Männern leichter als Waschen, Bügeln, Putzen, Aufräumen oder Abwaschen. Die typischen repetitiven Arbeiten im Haushalt werden nach wie vor überwiegend von den Frauen geleistet.
Die Männer sind unabhängig von ihren Lebensumständen fast durchwegs vollzeitig erwerbstätig. Bei den Frauen hingegen bleibt für die Erwerbsarbeit nur so viel Zeit, als die Pflichten in der Familie dies zulassen. Zwar sind knapp vier Fünftel der Frauen erwerbstätig, aber oft mit bloss geringfügigen Pensen. Im Durchschnitt kommen die Frauen auf 23 Erwerbsstunden pro Woche, die Männer auf 40 Stunden. Mütter mit drei und mehr Kindern leisten bloss noch zehn Wochenstunden Erwerbsarbeit. Auch hier sind die Unterschiede bei Singles und unverheirateten Paaren am kleinsten.

Rollenverhalten wie eh und je

Obschon immer mehr Frauen einer meist teilzeitlichen Erwerbsarbeit nachgehen, blieb der Anteil der Frauen am gesamten Erwerbsvolumen in den letzten zehn Jahren konstant bei einem guten Drittel. Immerhin sind zaghafte Ansätze zur besseren Aufteilung der Haus- und Familienarbeit feststellbar: Die Zahl der Paarhaushalte, in denen die Verantwortung für die Hausarbeit von Männern und Frauen gemeinsam wahrgenommen wird, hat in den letzten vier Jahren um drei Prozent zugenommen und liegt jetzt bei 17 Prozent. Und der Anteil der Haushalte, in denen die Frau die hauptsächliche Verantwortung für die Hausarbeit trägt, ist um drei Prozent zurückgegangen, beträgt aber immer noch fast 80 Prozent. Fazit: Obwohl die Erwerbsbeteiligung der Frauen in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen ist, haben die Männer im Haushalt nur unwesentlich mehr Arbeit übernommen. Die ungleiche Arbeitsaufteilung verstärkt sich mit der Heirat und der zunehmenden Zahl von Kindern.
Im europäischen Vergleich zeigen sich keine grossen Unterschiede. In Deutschland und in der Schweiz ist die geschlechtsspezifische Ungleichverteilung der Haus- und Familienarbeit etwas weniger ausgeprägt als im übrigen Europa.

Fairplay-at-home

Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann hat unter dem Titel «Fairplay-at-home» eine Broschüre erarbeitet «für junge Väter und Mütter und für jene, die es werden wollen». Darin wird aufgezeigt, dass die bezahlte und die unbezahlte Arbeit fairer aufgeteilt werden könnte, dass die Frauen nach der Geburt wieder in ihrem Beruf arbeiten könnten und im Gegenzug die Männer mehr Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringen dürften. Die Broschüre bietet keine Patentrezepte an, sondern will dazu anregen, die Aufgabenverteilung zu Hause gemeinsam zu diskutieren, sie zu optimieren und diese Vorsätze dann auch in die Tat umzusetzen.
Für das Gleichstellungsbüro ist allerdings klar, dass neben dem partnerschaftlichen Arrangement flankierende Massnahmen nötig sind, so die Mutterschaftsversicherung, die Lohngleichheit von Frauen und Männern, ein besseres Angebot an Krippenplätzen sowie die Bereitschaft der Arbeitgeber, geeignete Arbeitszeitmodelle anzubieten.
Die Broschüre «Fairplay-at-home» ist erhältlich beim BBL/EDMZ-Vertrieb, 3003 Bern, http://www.admin.ch/edmz, Bestellnummer 301.962d. Website zum Thema: http://www.fairplay-at-home.ch

Von Heinz Däpp